Südafrika


Seit der Aufhebung der Apartheid (1991) nimmt Südafrika auf dem afrikanischen Kontinent eine zunehmend führende, wirtschaftliche und politische Rolle ein und führt mittlerweile den Status eines Landes mit gehobenem mittleren Einkommen. Es ist ein buntes Land, das mich durch seine ökologische Vielfalt, aber auch durch seine lebendige Kultur immer wieder fasziniert. Die süßen Früchte, die reichlichen Sonnentage und das Abenteuer Safari bieten Touristen gute Gründe für eine Reise. Für die schwarze Bevölkerung sieht das Leben jedoch meist anders aus. 2017 erreichte die Arbeitslosenquote mit 27 % das erschreckenste Niveau seit 2003. Dazu kommt, dass die Statistiken die Menschen ausschließen, die aufgrund schwieriger Lebenssituationen nicht mehr aktiv nach Arbeit suchen. Darum wird die inoffizielle Erwerbslosenquote sogar auf 35 bis 40 Prozent geschätzt. Besonders betroffen sind junge Menschen bis 34 Jahre, von denen sind mehr als die Hälfte arbeitssuchend. Doch während auf der einen Seite so hohe Arbeitslosenzahlen bei den zum größten Teil gering qualifizierten Personen zu verzeichnen sind, beklagen Unternehmen den Mangel an Fachkräften, denn neue Arbeitsplätze entstehen überwiegend, wie überall auf der Welt, in höher qualifizierten Arbeitsbereichen. Die Ursache des Fachkräftemangels liegt besonders im defizitären, staatlichen Bildungssystem. An den Schulen fehlt es häufig an elementarer Ausstattung wie Schulbücher oder Elektrizität, aber auch an ausreichend qualifizierten Lehrkräften. Zudem erlangen nicht einmal die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler einen Schulabschluss, denn der größte Teil der Schülerschaft verlässt bereits vor der 12. Klasse das eingliedrige Schulsystem und hat ohne Abschluss nur sehr geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Aufgrund des Fachkräftemangels wirkt sich der Qualifikationsgrad wiederum enorm auf das durchschnittliche Einkommen aus und verstärkt zunehmend die soziale Ungleichheit und die extrem hohe Kriminalität. Hinzu kommt, dass das Sozialversicherungssystem in Südafrika lediglich eine Grundversorgung darstellt und z.B. maximal 34 Wochen Arbeitslosengeld umfasst.

Trotz dieser Umstände begegneten mir die Menschen, unabhängig von der Hautfarbe oder dem Einkommen, stets offen, freundlich und großzügig. Mich beeindruckt immer wieder die Lebensfreude derer, die so wenig ihr Eigen nennen können und dabei die Dinge in die Hand nehmen anstatt sich zurückzulehnen und zu meckern, und darauf zu warten, dass jemand kommt und sie glücklich macht.